SXSW: Und auf einmal hatte das Tech-Festival eine politische Dimension

Die South by Southwest in Austin (Texas) ist längst ein Pflicht-Termin bei Menschen, die sich für die Zukunft der digitalen Welt interessieren. Man kommt hierher, um sich zu vernetzen, um voneinander zu lernen, vor allem aber, um zu erfahren, welche digitalen Themen die nächsten Monate und Jahre bestimmen werden.

„Meedia“ bat mich nach dem ersten Tag um eine erste Einschätzung:

Worauf es hier in den vergangenen Tagen ankam, haben meine Kollegen und ich für das Handelsblatt aufgeschrieben.

Dem Thema Künstliche Intelligenz konnte man praktisch nicht aus dem Weg gehen. Von ethischen Fragen – wie dem Bias von Algorithmen – bis hin zu sehr konkreten Anwendungen gab es zig Panels und viele sehenswerte Vorträge.

Bemerkenswert war der Auftritt von Elon Musk, der mit düsteren Vergleichen vor lernenden Algorithmen warnte: Künstliche Intelligenz, so sagte er, sei gefährlicher als Atomwaffen. Daher müsse die Technik reguliert werden – denn Staaten würden ja auch nicht jeden Atomwaffen bauen lassen.

Wie eine solche Regulierung aussehen könnte, sagte Musk allerdings nicht.

Ungeachtet dieser spannenden Frage forderten auf der SXSW aber auch andere Vertreter der Tech-Szene solche Schritte.

Besonders heftig war dabei die Kritik an Facebook, teils in Worten, wie man sie bislang eher aus Europa kannte.

Das zeigt, wie die bislang so positive Stimmung in der Tech-Szene gegenüber den großen Playern kippt. Da passt ins Bild, dass auch große Fondsmanager die Unternehmen zunehemend kritisch sehen, wie gestern erst die „Financial Times“ berichtete.

Und die Reaktion von Facebook? Schwach.

Wie eine lebende Pressemitteilung reagierte etwa die Facebook-News-Produktechefin Alex Hardiman auf dem Panel „Facebook and the News“. Sie wiederholte immer und immer wieder, wie wichtig Publisher seien, und dass Facebook ja nur helfen wolle.

Nur glauben wollte es ihr niemand mehr.

Diese eher naive Kommunikationsstrategie steht in krassem Gegensatz zur tatsächlichen Debatte. Längst laufen in Europa wie in den USA die Überlegungen, wie eine Regulierung großer Tech-Konzerne aussehen kann. 

Zu groß sind die Sorgen, dass Facebook, Google und Amazon durch ihre Macht Innovationen behindern.

Mit dieser Regulierungsdiskussion hat das Tech-Festival auch eine politische Dimension bekommen. Denn diese Debatte, das war hier spätestens zu sehen, ist nicht mehr aufzuhalten. Und sie hat das Potenzial, die gesamte Branche zu verändern.

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