Neue Masche von PR-Agenturen

Bislang lief die Sache ja oft so ab: PR-Agenturen verschickten Pressemitteilungen und ließen anschließend ihre armen Volontäre oder Praktikantinnen hinterhertelefonieren, ob die Mails auch angekommen seien.

Das war furchtbar nervig, vor allem, weil die Anrufer die Mitteilungen teilweise selbst nicht verstanden hatten.

Doch nun gibt es eine neue Masche. Und die geht so:

Anrufer: „Interessieren Sie sich generell für spannende Themen aus den Feldern Internet und Innovationen“?

„Wer könnte da nein sagen“.

„Gut. Ist Ihre Mailadresse noch die alte?“

„Ja“

„Dann schicken wir Ihnen gleich die Nachricht“.

+++ Wenig später kommt eine Pressemitteilung, die so ist wie jede andere auch. Eine Stunde später klingelt das Telefon. +++

„Guten Tag, wir hatten miteinander gesprochen. Ist die Meldung interessant für Sie“?

„Nein“.

„Ist sie für einen Kollegen interessant?“

„Nein. Sonst hätte ich sie weitergeleitet“.

Und je nach Durchhaltevermögen des Anrufers geht es dann so weiter… Wahrscheinlich hat den armen PR-Mitarbeitern irgendein Chef in die Zielvereinbarung geschrieben, jeder Pressemitteilung ab sofort so oft nachzutelefonieren wie möglich.

Irgendwie war früher doch alles besser.

Wie es anders geht?

Einige PR-Kollegen, mit denen wir öfter zusammenarbeiten, weil sie spannende Themen betreuen, melden sich nur alle paar Monate – dann aber mit mehreren Themen auf einmal, die alle speziell für uns interessant sind. Woher die wissen, was uns interessiert? Weil sie unsere Texte lesen und weil sie versuchen, in Storys zu denken. Leider sind das seltene Ausnahmen.

Nachtrag: Ich weiß, dass die PR-Agenturen mitunter nach Kontakten bezahlt werden. Davon wird das Ganze nicht weniger nervig.

4 Comments Neue Masche von PR-Agenturen

  1. popivoda

    Es gibt PR-Agenturen, die nach Kontakten bezahlt werden? Dann kann ich mir vorstellen, was der arme Volontär oder Praktikant nach einem solchen Gespräch in seinem Kundenreporting notiert:

    „Matthes zeigte sich telefonisch dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen, wir führten einen Vergleich der Kontaktdaten durch und er versprach, die Meldung zu prüfen. In einem ausführlichen Folgegespräch bedauerte er, dass er augenblicklich in seinem Ressort keine Verwendung für die PM hätte. Ich regte eine Weiterleitung an einen Redaktionskollegen an, was er auch schon erwogen hatte. Feedback steht noch aus.
    Status: Pending“

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  2. Julia

    Agenturen werden nach Kontakten bezahlt? Interessante These… 🙂
    Das Nachtelefonieren von Pressemeldungen ist wirklich eine Unsitte, die ich persönlich konsequent jedem Kunden ausrede, bzw. es zumindest versuche.
    Es ist aber leider immer noch in vielen Unternehmen Usus, dass die PR-Verantwortlichen oder die Pressestelle an der schieren Anzahl der „Coverage“ gemessen werden, weshalb ein großer, spannender Artikel dann auch nur so viel zählt wie der 1:1-Abdruck der Pressemeldung auf einem Portal. Irrsinn, aber leider „common practice“. Deshalb wird dann die Agentur auf Masse statt Klasse gedrillt.
    Hier können nur Agenturen und Unternehmen gemeinsam einen anderen Weg beschreiten – auch dank des Feedbacks aus den Redaktionen. Dieser andere, von Ihnen angerissene Weg ist aber meist mühsamer, zeitaufwendiger und somit evlt. auch teurer als der herkömmliche.
    Deshalb wird es immer wieder Unternehmen geben, die dann doch lieber die günstigste Lösung wählen, um auf ihre Ziele zu kommen – zum Leiden der Journalisten und aller seriös arbeitenden Agenturen mit echtem Beratungsansatz.
    Ich freue mich jedenfalls immer wieder über solche Stimmen aus dem Journalistenalltag, die mir wunderbare Munition für das nächste Meeting mitgeben! 😉

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