Ein paar Gedanken vor dem G20-Gipfel

Die Welt macht sich auf in meine alte Heimatstadt; Hubschrauber kreisen über dem Hafen, Demonstranten marschieren durch die Innenstadt, und viele fragen sich (wie bei fast jedem Gipfel dieser Art): Muss das sein?

Es muss sein. Denn die Welt steckt in einer vertrackten Lage.

Der Nordkorea-Konflikt spitzt sich zu, die Lage in Katar ist wackelig, China und die USA zoffen sich um ein paar künstliche Inseln im südchinesischen Meer, und Russland mischt sich mit einer perfiden Strategie in westliche Wahlkämpfe ein.

Gleichzeitig warnen Wissenschaftler immer lauter vor globalen Epidemien. Und die Klimapolitik ist – trotz immer neuer Versprechen – nicht viel mehr als PR.

Wäre die Welt eine Großfamilie, wäre längst klar: es ist höchste Zeit, dass sich alle wieder einmal an einen Tisch setzen. Auch, wenn sich einzelne Charaktere mitunter schwer ertragen können.

Zwar geht es bei dem Gipfel auch um Wirtschaft, um Zölle und um Flugzeuglieferungen. Aber die politischen Fragen werden dominieren.

Natürlich kann niemand mit all diesen Themen, Positionen und vor allem Protagonisten einverstanden sein. Despoten wie Erdogan und Trump verdienen Widerspruch. Also geht (friedlich) auf die Straßen.

Und sicher wird der Gipfel keine Revolution. Schon ein Minimalkonsens wäre in dieser Situation ein Erfolg. Denn vieles wird noch weit schwieriger als bei vergangenen Treffen. Auch, weil sich die US-Regierung aufführt wie ein pubertierender Teenager.

Der Gipfel birgt dennoch die Chance, dass ein paar Charaktere wieder ins Gespräch kommen, die sich zuletzt wenig zu sagen hatten.

Und ein solcher Austausch, eine gemeinsame Basis wenn man so will, ist gerade jetzt wichtig.

Das ist die Chance von G20. Nicht mehr und nicht weniger.

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