Die Huffington-Post: Mehr als Nachrichten

Kurz nach der Verkündung meines Wechsels zur Huffington Post Deutschland entbrannte im Internet eine spannende Debatte. Die einen finden das Modell interessant, die anderen sprechen von einem möglicherweise „unmoralischen Angebot„. Die geschätzten Kollegen von Lousy Pennies haben mich daraufhin gebeten, einen Gastbeitrag zu den strittigen Themen zu schreiben. Das habe ich gern getan.

Wer ihn noch nicht gelesen hat, hier ist er noch einmal:

Es ist eine spannende Zeit. Eine Zeit, in der das Telefon kaum still steht. In den vergangenen Tagen allein erreichten meine Kollegen und mich dutzende Mails, Tweets und Gesprächsanfragen zu den unterschiedlichsten Aspekten der deutschsprachigen Huffington Post und dabei bin ich als Chefredakteur noch nicht einmal richig an Bord. Aber es freut mich. Die vielen Nachfragen zeigen, wie groß das
Interesse an Medien-Innovationen in Deutschland ist.

Egal, wie man zur Huffington Post steht: Eine Innovation ist die Plattform für Deutschland in jedem Fall. Sie ist mehr als eine Nachrichtenseite. Sie ist, so sagt es Arianna Huffington, eine Engagement-Plattform, weil die Huffington Post Nachrichten, Lesermeinungen und Expertenkommentare so eng miteinander verknüpft wie kein anderes Nachrichtenportal.

Das hat die Huffington Post groß gemacht. Im Netz hat das Portal in den USA längst die New York Times überholt. Die globale Medienmarke beschäftigt weltweit rund 600 Journalisten – und im Wochentakt kommen neue dazu. Die Reporter recherchieren, schreiben und veröffentlichen kürzere und längere Geschichten zu unterschiedlichsten Themen. Oft geht es um Politik und Wirtschaft, auch mal um Nachhaltigkeit, und ja, immer wieder auch um Gesundheit und Celebrity-Gossip. Eine Artikelreihe über US-Kriegsveteranen war so gut, dass sie 2012 die Jury des Pulitzer-Preises überzeugte und den begehrten Preis im Bereich nationale Berichterstattung holte.

Gute Geschichten zu entdecken, zu recherchieren und aufzuschreiben, das ist die eine Säule. Zugleich aber definiert die Huffington Post auch das Verhältnis zwischen Lesern und Journalisten neu. Auf der Plattform können Menschen unterschiedlichster Disziplinen und Bekanntheitsgrade über Themen schreiben, die sie begeistern. Unter den Gastautoren sind Barack Obama, Hillary Clinton, Larry Page, Madonna und Robert Redford. Aber auch Sozialarbeiter, Mütter, die über ihren Alltag zwischen Kind und Beruf schreibenKarikaturisten, Sportler oder Gesundheitsexperten und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen. Die Liste ließe sich ewig fortsetzen.

Da fragen sich nun viele gerade in Deutschland: Wieso tun die das?

Ganz einfach: Weil sie sich für ein Thema begeistern. Weil sie gerne schreiben. Und weil sie ihre Meinungen, Ideen und Beobachtungen einem größeren Publikum vorstellen möchten, so wie es Abertausende – übrigens ebenfalls ohnejournalistischen Auftrag und ohne Honorar – bei Facebook, Twitter, Jimdo, Blogger.com oder Tumblr tun.

Einige schreiben, weil sie gern schreiben, und sie veröffentlichen bei der Huffington Post, weil sie keine Lust haben, ein eigenes Blog aufzusetzen. Andere haben ein privates Blog und wollen es bekannter machen, indem sie Texte zusätzlich auf Seiten wie der Huffington Post veröffentlichen. Wieder andere schreiben über ihr neues Buch, ihren gerade fertig gestellten Kurzfilm oder über neueste Forschungsergebnisse. Diese Texte können für die Huffington-Post-Redaktion durchaus Anlass sein, die Themen aufzugreifen und in Nachrichtenstücken weiterzudrehen.

Ich erwähnte es an anderer Stelle schon: Die Huffington Post ist wie eine Talkshow mit einem großen Publikum. Der einzige Unterschied: Bei uns ist die Zahl der Gäste unbegrenzt. Und Sie können frei wählen, ob Sie im Publikum oder auf der Bühne Platz nehmen.

Dieses Prinzip ist eine Erfolgsgeschichte. Rund 50.000 Gastautoren aus aller Welt haben bereits Texte bei der Huffington Post veröffentlicht, und täglich werden es mehr: Auch bei den HuffPost-Ablegern in Italien, Frankreich und Spanien schreiben einige Tausend. Manche haben nur einen Text veröffentlicht, andere schreiben jede Woche, wieder andere stellen jeden Tag ein paar Absätze ins Netz.

Es steht ihnen frei. Die Gastautoren können schreiben, wann sie wollen und wie viel sie wollen. Sie können sogar Texte veröffentlichen, die anderswo schon erschienen sind – in einem Buch oder in einem privaten Blog. Die Huffington Post bietet die Plattform, prüft die Beiträge -und hebt die besten Texte auf die Startseite.

Ähnliche Möglichkeiten bieten mittlerweile auch traditionelle Medien, darunter die Washington Post, die New York Times und der Telegraph.

Ich glaube, das ist ein guter Weg.

Die Mischung aus professionellem Nachrichtenangebot und Engagement-Plattform macht die Huffington Post zu dem Ort, an dem all die Themen und Probleme behandelt werden, die unsere Leserinnen und Leser aktuell interessieren. Dabei haben wir auch kein Problem, aus unseren Texten auf weiterführende Quellen und Hintergrundberichte im  Netz zu verlinken. Denn auch das ist die Qualität des Online-Journalismus: Wir können die Quellen für unsere Texte so transparent machen, wie es früher nur schwer möglich war.

Wer die US-Ausgabe der Huffington Post aufmerksam liest, kann sehen, wie oft die Kollegen auf andere Seiten jeglicher Art verweisen. Diese Politik wird die Huffington Post auch mit ihrer deutschsprachigen Ausgabe verfolgen.

Wir glauben, dass die Angst, Leser über Links zu verlieren, unbegründet ist. Wenn wir spannende und überraschende Themen bieten
und die Debatten der Seite über die wichtigsten Social-Media-Kanäle weiterspinnen, dann kommen die Leser zurück.

Daran arbeiten wir. Und ich bin mir sicher, dass wir mit dem Team, das nun fast komplett ist, beste Voraussetzungen dafür haben. Ich jedenfalls freue mich sehr auf die Kollegen.

2 Comments Die Huffington-Post: Mehr als Nachrichten

  1. Pingback: Zum Start der Huffington Post in Deutschland | h2m Zum Start der Huffington Post in Deutschland | Serien – Filme – Bücher – News – Games – Gedanken und mehr…

  2. KBuck

    In Hawaii gehen investigativer Journalismus (Civil Beat) und Boulevard (HuffPo) ja schon zusammen. Bin mal gespannt, was Omidyar mit seinem neuen ambitionierten Projekt zusammen mit Greenwald, Poitras und Scahill vor hat – und wie sich die deutsche HuffPo mit der Investigativ-Nummer arrangiert!

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