Die Macht der Algorithmen

Algorithmen begleiten uns durch den Tag, morgens teilen sie uns mit, dass der Weg ins Büro wegen dichtem Verkehr länger dauern wird, mittags empfehlen uns personalisierte Feeds auf Nachrichtenseiten Inhalte, die uns „auch noch interessieren“ könnten – und abends spielt Spotify  die Lieder, die wir angeblich am liebsten hören.

Mal funktioniert das, mal nicht. In jedem Fall stecken dahinter lernende Algorithmen, die tatsächlich immer besser werden und die den Menschen immer mehr Entscheidungen abnehmen.

Wo Künstliche Intelligenz heute schon überall eingesetzt wird, welche Chancen das der Wirtschaft bietet – und wo Deutschland in dem großen Wachstumsfeld steht, das haben wir in unserer aktuellen Handelsblatt-Titelgeschichte analysiert. Ein paar Sätze dazu vorab hier im Video:

“Haben die härteste Paywall unter allen Überregionalen”

Diese Woche war es so weit: Das Handelsblatt hat ein neues Bezahlmodell. Was es damit auf sich hat, weshalb wir uns für eine besonders strenge Paywall entschieden haben und wie es weiterheht, wollten die Kollegen von Meedia wissen.

Bislang waren rund 20 Prozent der Homepage-Inhalte hinter der Paywall – künftig setzen wir auf ein strenges Metered-Modell, bei dem Nutzer nur noch eine kleine Zahl an Inhalten kostenlos nutzen können. Wir haben damit die härteste Paywall unter allen deutschen, überregionalen Tageszeitungen.

Guter Journalismus hat seinen Preis – gedruckt wie digital. Es war ein Fehler, dass die gesamte Branche so lange dem Mantra gefolgt ist, dass Inhalte im Internet kostenlos sein müssen. Letztlich war die ganze Gratiskultur im Internet ein Fehler. Einige Verlage haben dadurch viel Zeit verloren.

Denn ein Bezahlmodell kann nur erfolgreich sein, wenn man begreift, welche Inhalte Nutzer zu welcher Zeit in welcher Länge lesen wollen, es ist ein langer Prozess, das zu verstehen. Unsere digitalen Abonnenten etwa lesen Geldanlage-Geschichten am liebsten Samstags – oder unter der Woche nach 16 Uhr. Morgens braucht man ihnen damit nicht zu kommen.

Nur wenn Verlage und Redaktionen solche Zusammenhänge verstehen, werden Abo-Modelle erfolgreich sein. Wie die funktionieren können zeigen neben Beispielen wie Wall Street Journal und Financial Times längst auch Spotify und Netflix. Sie versuchen viel genauer, den einzelnen Nutzer und seine Interessen zu verstehen. Zu lange ging es im werbefinanzierten Modell nur darum, eine möglichst große Masse von Lesern an Anzeigenkunden zu liefern. Das ändert sich jetzt.

DSGVO – fünf Buchstaben, viele Fragezeichen

Vor fast zehn Jahren haben sich Politiker aus der ganzen EU zusammengetan, um etwas Großes zu vollbringen. Sie wollten den Datenschutz modernisieren, ihn europaweit vereinheitlichen, damit Internetnutzer endlich nachvollziehen können, was Unternehmen mit den Informationen über sie anstellen. Modern sollte dieses Gesetz sein, ein Regelwerk für die digitale Zukunft Europas.

Doch das Gesetz sorgt vor allem für Bürokratie – und hat auf die wichtigen Fragen der digitalen Zukunft keine Antwort.

Stattdessen zeigt die , dass diejenigen, die über solche Gesetze entscheiden, allzu oft in einer Welt leben, in der das Faxgerät noch eine viel zu große Rolle spielt. Mein aktueller Leitartikel im Handelsblatt: Weiterlesen…

SXSW: Und auf einmal hatte das Tech-Festival eine politische Dimension

Die South by Southwest in Austin (Texas) ist längst ein Pflicht-Termin bei Menschen, die sich für die Zukunft der digitalen Welt interessieren. Man kommt hierher, um sich zu vernetzen, um voneinander zu lernen, vor allem aber, um zu erfahren, welche digitalen Themen die nächsten Monate und Jahre bestimmen werden.

„Meedia“ bat mich nach dem ersten Tag um eine erste Einschätzung:

Worauf es hier in den vergangenen Tagen ankam, haben meine Kollegen und ich für das Handelsblatt aufgeschrieben.

Dem Thema Künstliche Intelligenz konnte man praktisch nicht aus dem Weg gehen. Von ethischen Fragen – wie dem Bias von Algorithmen – bis hin zu sehr konkreten Anwendungen gab es zig Panels und viele sehenswerte Vorträge.

Bemerkenswert war der Auftritt von Elon Musk, der mit düsteren Vergleichen vor lernenden Algorithmen warnte: Künstliche Intelligenz, so sagte er, sei gefährlicher als Atomwaffen. Daher müsse die Technik reguliert werden – denn Staaten würden ja auch nicht jeden Atomwaffen bauen lassen.

Wie eine solche Regulierung aussehen könnte, sagte Musk allerdings nicht.

Ungeachtet dieser spannenden Frage forderten auf der SXSW aber auch andere Vertreter der Tech-Szene solche Schritte.

Besonders heftig war dabei die Kritik an Facebook, teils in Worten, wie man sie bislang eher aus Europa kannte.

Das zeigt, wie die bislang so positive Stimmung in der Tech-Szene gegenüber den großen Playern kippt. Da passt ins Bild, dass auch große Fondsmanager die Unternehmen zunehemend kritisch sehen, wie gestern erst die „Financial Times“ berichtete.

Und die Reaktion von Facebook? Schwach.

Wie eine lebende Pressemitteilung reagierte etwa die Facebook-News-Produktechefin Alex Hardiman auf dem Panel „Facebook and the News“. Sie wiederholte immer und immer wieder, wie wichtig Publisher seien, und dass Facebook ja nur helfen wolle.

Nur glauben wollte es ihr niemand mehr.

Diese eher naive Kommunikationsstrategie steht in krassem Gegensatz zur tatsächlichen Debatte. Längst laufen in Europa wie in den USA die Überlegungen, wie eine Regulierung großer Tech-Konzerne aussehen kann. 

Zu groß sind die Sorgen, dass Facebook, Google und Amazon durch ihre Macht Innovationen behindern.

Mit dieser Regulierungsdiskussion hat das Tech-Festival auch eine politische Dimension bekommen. Denn diese Debatte, das war hier spätestens zu sehen, ist nicht mehr aufzuhalten. Und sie hat das Potenzial, die gesamte Branche zu verändern.

Und ihr nennt das Premium!

Affen- wie Dieselskandal stehen für ein weiteres Problem: Viele deutsche Unternehmen sind Weltmeister darin, die Vergangenheit zu konservieren. Gleichzeitig aber scheitern sie an grundlegend neuen Ideen für eine sich radikal verändernde Welt. Mein Leitartikel im Handelsblatt…

Thankyou and goodbye!

Today 4 amazing years will come to an end: I am leaving HuffPostDE and a great team. I am so grateful for everything I was able to learn, for all the interesting people I could meet, for being part of this ever interesting HuffPost mission – and to make so many freinds all over the world. Thank you all for being sparring partners, critics, supporter and friends, Arianna Huffington, Lydia Polgreen, Louise Roug Bokkenheuser, Cherno Jobatey, Dr. Hubert Burda, Stefan Winners, Oliver Eckert, Daniel Steil, Andreas Laube, Jürgen Schlott, Benjamin Reuter, Lea Kosch, Jan David Sutthoff, Tobias Böhnke & the HuffPostDE whole Team! Goodbye and let’s stay in touch.

Die Zukunft der Wissenschaft: Spannender Talk mit Researchgate-Gründer Madisch beim DLD

Sebastian Matthes und Ijad Madisch beim DLD

Sebastian Matthes und Ijad Madisch beim DLD

Er ist einer der erfolgreichsten Gründer Deutschlands – und er hat sich viel vorgenommen: Ijad Madisch will die Wissenschaft für immer verändern. Und vielleicht ist er seinem Ziel schon näher, als es viele ahnen.

Der Sohn einer syrischen Ärztefamilie studierte Medizin in Deutschland, forschte dann in den USA und gründete schließlich Researchgate, eine Art Facebook für Wissenschaftler. Hier tauschen sich Wissenschaftler über ihre Forschung aus, berichten von Fehlern (damit andere sie nicht machen) und teilen Daten. 14 Millionen Forscher haben sich weltweit schon angemeldet, Abertausende von ihnen kommen täglich.

Spannend ist, dass mit Researchgate eine gigantische Wissensdatenbank entsteht, aus der sich Forscher aller Disziplinen – aber auch Algorithmen – bedienen können. Madisch glaubt, dass es eine Datenbank für das gesamte Wissen geben müsse, um die Wissenschaft in das digitale Zeitalter zu führen. Denn schon in wenigen Jahren werde ein immer größerer Teil der Forschung ohnehin von Algorithmen erledigt.

Was Wissenschaftler dann noch tun? Sie seien laut Madisch wichtiger denn je. Denn nur sie seien in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen. Und auch über die sollen sie sich bei Researchgate austauschen. Die Zeit mit Madisch auf der Bühne der DLD-Konferenz in Berlin war nicht nur extrem spannend, sondern auch ziemlich unterhaltsam…